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Jahrestagung der DFA 2010
18.03.2010
Es gibt sie noch, die guten Diskussionen. Einmalig in Deutschland: die Live-Debatten über aktuelle Fotokunst bei der Deutschen Fotografischen Akademie in Leinfelden-Echterdingen Verborgene Schätze funkeln doch am schönsten: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet in Leinfelden-Echterdingen ein Juwel der zeitgenössischen Kunst zu finden ist, wie es landauf, landab kein zweites Mal existiert? Die Rede ist von der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA), einem der wichtigsten Verbände für Fotografie. Vor über neunzig Jahren als Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL) gegründet, später umbenannt und neu ausgerichtet, ist die DFA bis heute die geistige Heimat vieler führender Fotokünstler in Deutschland. Was diesen exklusiven Club so besonders macht, ist seine wichtigste Aktivität, die nicht zufällig genau das Gegenteil von exklusiv ist, nämlich offen für jedermann: die jährlichen Präsentationen von Mitgliedern und eingeladenen Gästen.

Darunter sind in diesem Jahr einige Beiträge, die besonders gut zu aktuellen Ausstellungen passen: die Kulturwissenschaftlerin Irme Schaber wird das abenteuerliche Leben von Gerda Taro vorstellen, der ersten Kriegsfotografin der Welt, die in Ausübung ihres Berufs zu Tode kam - und deren Lebenswerk derzeit im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen ist.

Passend dazu spricht die Hamburger Kunsthistorikerin Petra Bopp in Leinfelden-Echterdingen über private Fotoalben deutscher Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg. Einige Originalalben sowie Farbfotos und Amateurfilme aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt die DFA in einer Ausstellung, die die Tagung begleitet:

"Dunkelfeld - Fotografische Positionen zu Gewalt, Tod und Krieg".

Fotografien von Frank Rothe, Ralf Meyer, Bianca Patricia, Bernd Arnold und Patrik Budenz werden in der
Galerie Altes Rathaus Musberg und im Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen gezeigt.

Die Deutsche Fotografische Akademie legt besonderen Wert darauf, einerseits den Blick auf umfassende Lebenswerke langjähriger Mitglieder zu werfen und andererseits jungen Positionen in der Fotografie, wie sie an den Hochschulen entwickelt werden, ein Forum zu bieten. So wird in diesem Jahr Christiane Stahl von der Alfred-Ehrhartdt-Stiftung Berlin ein Zeitzeugengespräch mit Charles Compère führen. Silke Helmerdig und Frank Göldner werden einige ihrer Studentinnen und Studenten einladen, Arbeiten zu präsentieren. Weitere Beiträge bei der Tagung u.a. von Thomas Anschütz, Ulrich Weichert, Wolfgang Zurborn.

Die Jahrestagung der Deutschen Fotografischen Akademie findet vom 16.4. – 18.4.2010 auch in diesem Jahr wieder in der Zehntscheuer in Echterdingen, statt Das Präsidium der Deutschen Fotografischen Akademie wird dieses Jahr neu gewählt.

"Wir bieten ganz bewusst ein frei zugängliches Diskussionsforum", sagt DFA-Präsident Manfred Schmalriede, "was auch hervorragend zur Fotografie als Bildgattung passt - denn Fotos sind wohl die zugänglichsten unter allen Medien der zeitgenössischen Kunst."  Was Schmalriede damit meint, lässt sich jedes Frühjahr in der Leinfelder Zehntscheuer begutachten. Dort treten ein Wochenende lang Fotografen aus allen Ecken der Republik und allen Nischen der Lichtbildnerei auf Podium. Sie zeigen ihre Bilder, und danach stellen sich der Diskussion mit dem Publikum. Dabei geht es manchmal hoch her. "Das ist fast unvermeidlich, weil es in der Kunst kein absolutes Richtig oder Falsch gibt", sagt Schmalriede, "und weil keine abgesprochenen, wohltemperierten Beiträge abgespult werden - hier ist alles live."

Diese Direktheit ist die große Besonderheit der Leinfelder Treffen. Gute Bilder gibt es auch anderswo zu sehen, und auf hohem Niveau wird in vielen Feuilletons debattiert - aber nirgends kann man beides zusammen erleben, inklusive Künstlern auf Tuchfühlung. Letzteres ist wörtlich zu verstehen. Denn nach den Debatten folgt am Samstag abend die Eröffnung einer hochkarätigen Ausstellung - und danach eine schwäbische Nacht in der Weinstube, die die schöne altgriechische Tradition des Symposiums buchstäblich in die Gegenwart übersetzt. Symposium bedeutet nämlich so viel wie "Trinkgelage mit Gesprächen".
 

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