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Subversion der Bilder: Surrealismus, Fotografie und Film
01.03.2010
Die surrealistische Avantgarde verstand sich als revolutionäre Gegenbewegung zum bürgerlichen Wertesystem. Mit neuen Bildfindungen wurde das Dasein in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und vor dem Zweiten Weltkrieg, also in einer Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Instabilität, hinterfragt und mit verschiedenen künstlerischen Strategien eingespielte Sicht- und Denkweisen dekonstruiert. Fotografie schien dabei als modernes Medium den Bedürfnissen der Surrealisten am meisten zu entsprechen.

J.-E. Livet
„Une regrettable affaire“ (Eine bedauerliche Angelegenheit), ca. 1947, aus dem gleichnamigen Album mit 19 Fotografien, entstanden anlässlich der Überarbeitung des Films „Fleurs meurtries“ (Versehrte Blumen) (ca. 1929), Vintage Silbergelatine-Abzug, 22,3 x 28,1 cm, Centre Pompidou, Musée National d’art moderne, Paris, © J.-E. Livet  Man Ray Lee Miller, 1929

Das Fotomuseum Winterthur präsentiert zurzeit mit der Ausstellung „Subversion der Bilder – Surrealismus, Fotografie und Film“ eine außergewöhnlich reichhaltige Übersicht der surrealistischen Fotografie. Die Ausstellung umfasst mehr als 400 Fotografien, Filme und Dokumente: von berühmten Fotografien von Man Ray, Hans Bellmer, Claude Cahun, Raoul Ubac, Jacques-André Boiffard und Maurice Tabard hin zu unbekannten Bildern, zu Magazinpublikationen, Künstlerbüchern, Werbung, Automatenfotos und Gruppenbildern. Jedes der neun Kapitel der Ausstellung fokussiert auf ein zentrales Thema der surrealistischen Fotografie.

Eli Lotar
Eli Lotar, Germaine Krull „Sans titre“ (Ohne Titel), ca. 1930

„Kollektive Aktionen“ zum Beispiel verfolgt die vielen gemeinsamen Aktionen der Surrealisten, ihr spielerischer, aber auch seriöser Umgang mit der Schnappschuss- und Automatenfotografie. „Sinnloses Theater“ deckt die lustvollen, erotischen und sarkastischen Mise-en-scènes auf, die Freude an der fast absurden Kleinchoreographie zwischen Illusion und Realität.

Estate Brassaï
„Sans titre, vitres cassées d’un atelier de photographe“ (Ohne Titel, zerbrochene Fensterscheiben eines Fotografenateliers), ca. 1934, Vintage Silbergelatine-Abzug, 17,3 x 29,8 cm, Museum Folkwang, Essen, © Estate Brassaï / RMN

„Das Reale, das Zufällige, das Wunderbare“ thematisiert, wie sich das Surreale in der Realität verbirgt, sich in ihr offenbart, wie die Nacht und die Wände von Paris „Stimmen“ erklingen lassen. „Schau-Lust“ demonstriert das lustvolle, nahe Hinschauen, bis das Vertraute isoliert und fremd erscheint.

Man Ray
„Sans titre“ (Ohne Titel), 1930, (oben: Georges und Yvette Malkine, unten: André de La Rivière, Robert Desnos, André Lasserre), Vintage Silbergelatine-Abzug, 9,3 x 8,5 cm, Privatsammlung/Courtesy Galerie 1900-2000, © Man Ray Trust/2010, ProLitteris, Zürich

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (französisch) mit deutschem Beiheft. Die Überblicksausstellung wird vom Centre Pompidou in Paris organisiert und in Zusammenarbeit mit der Fundación Mapfre, Madrid, und dem Fotomuseum Winterthur gezeigt. Das Fotomuseum Winterthur ist die einzige deutschsprachige Station dieser Ausstellung. Kuratoren sind Quentin Bajac, Clément Chéroux, Guillaume Le Gall, Philippe-Alain Michaud und Michel Poivert.

Fotomuseum Winterthur
, Grüzenstrasse 44 + 45, CH-8400 Winterthur
Ausstellungsdauer: bis 24. Mai 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr, Montag geschlossen
 



 

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