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Dokumentarfotografie Förderpreise 2009/2010
07.10.2009
Die Dokumentarfotografie Förderpreise werden alle zwei Jahre von der Wüstenrot Stiftung in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang, Essen, ausgeschrieben. Die Preise sind mit jeweils 10.000,- Euro dotiert und ermöglichen die Realisierung eines neuen Projekts. Nach Ablauf eines Projektjahres werden die Arbeitsergebnisse für eine Wanderausstellung mit Begleitkatalog konzipiert. Die 1990 gegründete Wüstenrot Stiftung fördert Arbeiten von jungen Fotografen/innen, die sich dezidiert mit den Darstellungsweisen einer abbildorientierten Fotografie auseinandersetzen und dabei thematische Zielsetzungen und formale Aspekte in einen neuen Diskussionszusammenhang bringen.

Die vier Preisträger/innen sind in diesem Jahr: Tanja Jürgensen (Kunsthochschule Kassel), Mathias Königschulte (Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin), Maziar Moradi (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg) und Kim Sperling (Fachhochschule Dortmund). Sie wurden von insgesamt 142 Bewerber/innen aufgrund ihrer eingereichten Diplomarbeiten und Projektideen ausgewählt.

Die Jury tagte am 24. September 2009 mit folgenden Mitgliedern: Paul Cottin, Freier Kurator, Straßburg, Frankreich Prof. Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang, Essen, Sibylle Fendt, Fotografin, Berlin, Dr. Hans-Günther Golinski, Direktor Museum Bochum, Dr. Kristina Hasenpflug, Kulturreferentin, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg.

Die Preisträger 2009/2010

Tanja Jürgensen
fotografiert private Lebensräume der Berliner Hausbesetzerszene. Die gewählten Ausschnitte weisen strenge kompositorische Prinzipien auf. In ihrem zukünftigen Projekt „Unter der Elite“ will Tanja Jürgensen Strukturen US-Amerikanischer Eliteuniversitäten fotografisch untersuchen; Mechanismen, die zunehmend auch in der deutschen Bildungslandschaft sichtbar werden.

Tanja Jürgensen
Aus der Serie: Wohnlandschaften, 2009
© Tanja Jürgensen, 2009

Mathias Königschulte sucht mit seiner Diplomarbeit „Vor dem Sturm“ nach aktuellen Entsprechungen zu den Landschafts- und Personenbeschreibungen in Theodor Storms „Der Schimmelreiter“. Er fotografiert Landschaften der nordfriesischen Küste, die 1634 bei einer schweren Sturmflut verwüstet wurden und die Menschen, die an diesen Orten leben. Das eingereichte Projekt „Wedding – Stadt der Angst“ wird sich dem städtischen Umfeld des Berliner Stadtteils Wedding widmen.

Mathias Königschulte
Aus der Serie: Vor dem Sturm, 2007
© Mathias Königschulte, 2009

Maziar Moradi rekonstruiert mit Hilfe der Fotografie Situationen und Ereignisse, die seine Familie im Jahr 1979 zwischen Krieg und Revolution im Iran erlebt hat. Statisten sind die Mitglieder der Familie selbst. Die Inszenierung seiner Bilder erinnert an Momente einer filmischen Erzählung. Sein geplantes Projekt „Metamorphosis“ wird sich Fragen der gesellschaftlichen Integration von Transsexuellen im Iran widmen.


Maziar Moradi
Aus der Serie: 1979
© Maziar Moradi, 2009


Kim Sperling, 1975 in Seoul geboren, wurde 1976 in Deutschland adoptiert. Die Geschichte von adoptierten asiatischen Kindern war das Thema seiner Diplomarbeit „uri nara“ („Unser Land“). Das Interesse von Kim Sperling gilt jenen, die sich entschieden haben, in ihr Geburtsland zurückzukehren. Seine Portraits entstehen im Umfeld der „neuen Heimat“, er fotografiert in Farbe und arrangiert seine Modelle. Parallel zu diesen Bildern entstehen Interviews, in denen die Adoptierten Auskunft geben über ihre Erfahrungen des „Fremdseins“ in beiden Ländern. Dieses Projekt möchte Kim Sperling in anderen Ländern fortsetzen, zum Beispiel in China, Kolumbien und Rumänien.

Kim Sperling
Michael Benzinger, aus der Serie: Uri Nara, 2008
© Kim Sperling, 2009

Dokumentarfotografie Förderpreise der Wüstenrot Stiftung. Die im zweijährigen Turnus angelegte Nachwuchsförderung richtete sich an Fotografen/innen, die ihr Studium in den letzten zwei Jahren an einer deutschen Hochschule oder Akademie im Bereich der Dokumentarfotografie absolviert haben. Die Idee zu dieser Nachwuchsförderung ging davon aus, dass jener Bereich der Fotografie zu unterstützen sei, dem sowohl im angewandten Bereich der Fotografie als auch im Kontext der Kunst wenig Chancen für Langzeitprojekte gegeben wird. Diese Förderung erreicht die Fotografen zu einem Zeitpunkt, an dem sie ihr Studium gerade beendet haben und versteht sich als Brücke zur Selbstständigkeit. Die diesjährige Preisverleihung findet am 4. November 2009 am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt statt (Olbrichweg 10, 64287 Darmstadt). Im Anschluss wird die Ausstellung der Preisträger des vorherigen Jahrgangs 2007/2008 eröffnet.
 
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