| Positionen |
| 28.01.2009 | |
Schon die beiden Titelbilder der Ausstellung „Positionen“ im
Baden-Badener Kunstforum in St. Ingbert verdeutlichen Gemeinsamkeiten
und Unterschiede der ausstellenden Fotografen: Sie zeigen einzelne
Menschen in Umgebungen, die eher angedeutet als erklärt werden. Die
dargestellten Menschen beziehen auf verschiedene Weise Position: ![]() Der eine, in Havanna fotografiert von Benedikt Steinmetz, nimmt Kontakt mit dem Fotografen auf, bezieht so unmittelbar und direkt Position zum Fotografen, zur eigenen Arbeit, die er gerade für eine Zigarettenpause verlassen hat und zu der Realität, mit der er konfrontiert ist. Der andere, ein Mönch in Tibet, fotografiert von Mark Vogelgesang, hat dem Fotografen den Rücken zugewandt und entfernt sich von ihm – er erscheint nicht als Individuum, sondern reduziert auf eine Silhouette. Gemeinsam ist beiden Bildern eine klare, fast strenge Bildgestaltung und der Verzicht auf Farbe. ![]() Benedikt Steinmetz setzt formale Aspekte seiner Bilder immer wieder in einen Gegensatz zu den dargestellten Inhalten. Die Strenge der Komposition seiner Bilder wird durch Elemente des Zufälligen durchbrochen, etwa in Form eines unerwarteten Details, das sich nicht in die Komposition des Bildes einfügen will. Hier geht der Fotograf auf die Erwartungshaltung des Betrachters ein, die so durchkreuzt wird, dass Aspekte der Realität in den Vordergrund rücken, die sonst nicht wahrgenommen würden. Auch seine Werke zum saarländischen Bergbau und dessen Ende sind keine Dokumentation im Sinne einer Reportage – auch hier wird die Strenge des Bildaufbaus und der Bildinhalte immer wieder durch Elemente des Zufalls durchkreuzt und konterkariert. Wenn Benedikt Steinmetz Individuen portraitiert, dann in einer strengen, fast lakonischen Komposition. Trotz der skizzenhaft reduzierten Darstellung der Umgebung wird der Mensch als Individuum gezeigt. ![]() In den Bildräumen von Mark Vogelgesang dagegen entzieht sich das Individuum. Zeigt und gestaltet Benedikt Steinmetz die lebendige Begegnung zwischen Menschen, so wird in den Bildern vom Mark Vogelgesang deren Fehlen oder Verfehlen sichtbar gemacht. Durch das schon bei der Entstehung der Aufnahmen intendierte Subtrahieren vieler Details und durch die Reduktion des Dargestellten entstehen Bilder, die durch eine verdichtete Atmosphäre gekennzeichnet sind. Auch bei den Fotografien aus Tibet, aufgenommen kurz vor der Abriegelung des Landes durch chinesische Truppen, geht es nicht um Illustration oder Reportage. ![]() Obwohl das Dargestellte deutlich zu erkennen ist, erkunden auch diese durch ein hohes Maß an Abstraktion gekennzeichneten Bilder den Grenzbereich zwischen Dokumentation und Fiktion. Diese Aufnahmen waren es, die den Vertreter des Dalai Lama für Europa, Tseten Samdup Chhoekyapa vom Tibet Bureau in Genf, dazu veranlassten, an der Eröffnung der Ausstellung teilzunehmen und ein Grußwort zu sprechen. Die Ausstellung „Positionen“ zeigt insgesamt rund 100 Schwarzweiß-Fotografien von Mark Vogelgesang und Benedikt Steinmetz. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Arbeiten, die in den letzten vier Jahren entstanden. Benedikt Steinmetz: geboren 1961 in Saarbrücken, lebt und arbeitet in Saarbrücken. Mark Vogelgesang: geboren 1963 in Saarbrücken, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Die Ausstellung „Positionen“ eröffnet am 29. Januar 2009 um 19 Uhr im Baden-Badener Kunstforum in St. Ingbert, Schlackenbergstraße 20. Die Künstler wurden von der Firma Innova Art Europe unterstützt. Die Ausstellung wurde von artconexxion GmbH geplant und organisiert. Ausstellungsdauer: 29. Januar bis 31. März 2009 Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 16 Uhr |