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CWC Gallery: Color
24.09.2012
Die CWC Gallery präsentiert zurzeit die Gruppenausstellung „Color“. Die eigenkuratierte Ausstellung zeigt mit über 100 Fotografien verschiedene Positionen der künstlerischen Farbfotografie und gibt mit Arbeiten von wegweisenden Künstlern wie Edward Steichen, Jeanloup Sieff, Helmut Newton, William Eggleston, Stephen Shore, Jeff Koons bis hin zu Nadav Kander, Robert Polidori oder Martin Schoeller Einblick in die Entwicklung des Umgangs und der Ästhetisierung von Farbe in der Fotografie.

RUSSELL JAMES
© RUSSELL JAMES, SEXY, LOS ANGELES, 2003

Jenseits des bis dahin gängigen Vorgangs des Nachkolorierens von Schwarzweiß-Abzügen etablierte sich die Farbfotografie ab den 1930ern zuerst in der Mode- und Werbephotographie und avancierte alsbald zu einem unentbehrlichen Werkzeug für die Massenmedien und die Unterhaltungsindustrie. Farbe galt als adäquates Mitte,l die Welt zu schildern, wie sie in unseren Vorstellungen und Wünschen sein könnte – sie skizziert, akzentuiert und dramatisiert. Von der Reportage- und Dokumentarfotografie oftmals gemieden, begründete sich die Farbfotografie in den 1970er-Jahren als eigene Kunstform und ist heute bedeutender Bestandteil weltweiter Sammlungen, Museen und Galerien.

RALPH MECKE
© RALPH MECKE, LOU DOILLON II, PARIS, 2004

Den Wendepunkt in der Kulturgeschichte der Farbe in der Fotografie markiert William Egglestons Ausstellung 1976 im Museum of Modern Art, in der das Kunstpublikum mit in kräftigem Coleur getauchten Innenstadtgebäuden, Interieurs und Feldern konfrontiert wurde. Nicht als zusätzliche Verspieltheit oder als Schockelement, sondern als selbstverständliche Wahrnehmungsbedingung in der Rezeption des Bildes, präsentierte Eggleston bis dato „nicht bildwürdige Motive“. Farbe wurde nicht nur vom Künstler, Motiv und Betrachter begrüßt, sie wurde obligatorisch.

Der Avantgardist Eggleston beeinflusste die internationale zeitgenössische Fotografie maßgeblich und inspirierte zahlreiche Fotografen nachhaltig, darunter Stephen Shore, der mit seinen vorsätzlich schnappschussartigen Fotografien von ländlichen Gebieten und amerikanischen Kleinstädten berühmt wurde. Auch die Grenzen zwischen kommerzieller Auftragsarbeit und künstlerischer Farbfotografie verwoben sich von nun an zunehmend. Die Modeindustrie frönte ihrer Freude am farblichen Experiment und ihrer Neigung zu grellen Übertreibungen.

JEAN-BAPTISTE HUYNH
© JEAN-BAPTISTE HUYNH, FILS, INDE, 2004

Auch das Schaffenswerk von Helmut Newton zeichnet sich neben seiner Schwarzweiß-Fotografie durch die Emanzipation der Farbe innerhalb der erotischen Modefotografie aus, von dem in der Ausstellung seltene Farbpolaroids zu sehen sind. Fotografen wie Albert Watson oder Michel Comte wiederum setzen Farbe in ihren Fotografien oftmals als dominierendes Mittel ein, um das in großflächigen Farbebenen eingebettete Bildmotiv zu einem Kunstwerk werden zu lassen, welches bis dato bekannte ästhetische Grenzen der Farbfotografie aufweicht. So fotografiert Comte das Model Carla Bruni vor einfarbig-ganzflächigen Hintergründen oder koloriert Schwarzweiß-Abzüge im Nachhinein so nach, dass nicht nur mittels der plakativen Farbanwendung Stimmungen wie Kühle, Erotik, Spannung, Kraft oder ein bestimmter Zeitgeist suggeriert werden, sondern gar Bezüge zur Farbfeldmalerei auftreten. Der vermehrte, ungezwungene Einsatz greller Farben ist auch auf den Einfluss der Pop Art zurückzuführen. „Color“ zeigt daran anlehnend mehrere Portraits des Fotografen Thomas Hoepker von Andy Warhol, der sich in seiner Factory in New York hinter bunten Folien versteckt und damit seine eigene Kunst zu imitieren scheint.

Neben den Ikonen der Geschichte der Farbfotografie präsentiert die Ausstellung auch Arbeiten bedeutender junger zeitgenössischer Künstler. Wie Farbe in ihrem dezentesten, aber zugleich eindringlichsten Einsatz Bildinhalte skizzieren, Stimmung erzeugen und Bildsprache prägen kann, zeigen ausgewählte Werke von Künstlern wie Jean-Baptiste Huynh oder Nadav Kander. Dessen friedliche Landschaften sind umgeben von hellen Weißtönen des Nebels, Schnees und Himmels, die eine atemberaubende Weite des Raumes erzeugen. Huynh hingegen mit seinen bis ins letzte Detail komponierten Stillleben vor schwarzem Hintergrund sensibilisiert den Betrachter für die Besonderheit und Wirkungskraft der Farbe in der Fotografie. Dem kanadischen Künstler Robert Polidori gelingt es mit einer berauschenden Farbintensität, klaren und höchst ausbalancierten Konturen sowie harmonischer Eleganz die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Schloss Versailles einzufangen, indem er die Umbauarbeiten des imposanten und geschichtsträchtigen Gebäudes nachzeichnet.

ROBERT POLIDORI
© ROBERT POLIDORI, PETIT TRIANON – ENTRESOL, CHATEAU DE VERSAILLES, 2005

Im krassen Gegensatz dazu inszeniert Russell James die berühmtesten Models der Welt in farbenprächtigen, erotischen Outfits oder vor funkelnden, bunten Großstadtsilhouetten: Farbe als Ausdruck von Energie, Erotik, Jugend, Schönheit und Vitalität. Darüber hinaus präsentiert die CWC Gallery erstmals einige Werke von Martin Schoeller, die außerhalb seiner berühmten seriellen Portraitfotografie entstanden sind, darunter eine stimmungsvolle und gleichermaßen cineastische Fotografie des Filmregisseurs Quentin Tarantino. Ebenso vertreten sind Arbeiten von Luciano Castelli, der als einer der Hauptvertreter der Künstlergruppe „Neue Wilde“ gilt und u. a. bereits im Museum of Modern Art in New York und auf der Documenta IX in Kassel gezeigt wurde.

Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung „Color“: Anderson & Low, Tina Berning & Michelangelo Di Battista, Thomas Billhardt, Luciano Castelli, Michel Comte, William Eggleston, Nan Goldin, Burkhard von Harder, Thomas Hoepker, Jean-Baptiste Huynh, Russell James, Nadav Kander, Jeff Koons, Neil Leifer, Jean-François Lepage, Chris Levine, Ralph Mecke, Guido Mocafico, Helmut Newton, Herbert Pfennig, Robert Polidori, Bettina Rheims, Frank Rothe, Thomas Ruff, Steve Schapiro, Martin Schoeller, Stephen Shore, Jeanloup Sieff, Edward Steichen, Sam Taylor-Wood, Ellen von Unwerth, Albert Watson

CWC Gallery, Auguststraße 11-13, 10117 Berlin
Ausstellungsdauer: bis 1. Dezember 2012
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 11 bis 19 Uhr
 

 

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Erscheinungsdatum:
Ausgabe No. 10-2013:
23.05.2013
Anzeigenschluss :
für Ausgabe No. 11-2013
29.05.2013 | 12.00 Uhr

 

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