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Wir sind die anderen
08.08.2012
Ab dem 16. August zeigt die DZ Bank Kunstsammlung in Frankfurt am Main Gruppenportraits zum Internationalen Jahr der Genossenschaften. Die Ausstellung „Wir sind die anderen“ macht das Phänomen von Gemeinschaften zum Thema. Die Ausstellung ist bis zum 27. Oktober dieses Jahres zu sehen.

Julian Germain
Julian Germain, Escuela Secundaria Básica Osvaldo Herrera Gonzáles, San Fernando de Camarones, Municipio Palmira, Cuba., 2011. Aus der Serie: Classroom Portraits, 2004-2012

Allein ist der Mensch ziemlich aufgeschmissen. Er kann sich noch nicht einmal in Gänze selbst betrachten. Er benötigt ein Abbild, er braucht das Wir. Wir sind immer auch andere, andere sind immer zugleich auch wir. In der Kunstgeschichte führte zunehmendes Selbstbewusstsein des Individuums im 15. Jahrhundert zum Gruppenportrait. Die Malerei schuf sich ein neues Genre als Ausdruck gesellschaftlichen Wandels, der bis ins heutige Zeitalter digitaler Fotografie fasziniert. Die DZ Bank als Spitzeninstitut der Genossenschaftlichen FinanzGruppe widmet die Ausstellung „Wir sind die anderen“ dem Internationalen Jahr der Genossenschaften, das die Vereinten Nationen für 2012 ausgerufen haben. Seit der Gründung der ersten Genossenschaften vor über 150 Jahren basiert das genossenschaftliche Prinzip auf Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.

Timm Rautert
Timm Rautert, Viva and Family, New York (Detail), 1971. Aus der Serie: New York, 1971

Die Ausstellung versammelt rund 70 fotografische Arbeiten aus der DZ Bank Kunstsammlung von über 25 renommierten internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus 14 Ländern. Ganz unterschiedliche soziale Umgebungen werden einander gegenübergestellt: Gruppenbilder, die im Familien- und Freundeskreis, in Zweckgemeinschaften, in der Öffentlichkeit, in ethnischen Zugehörigkeiten und in Arbeitswelten entstanden. Vertreten sind unter anderem René Burri, Clegg & Guttmann, Thomas Draschan, Larry Fink, Michel François, Julian Germain, Andreas Gursky, BKH Gutmann, Jochem Hendricks, John Hilliard, Ville Lenkkeri, Marcos López, Will McBride, Klaus Mettig, Helga Paris, Timm Rautert, Andreas Rost, Sebastião Salgado, Daniel Schumann, Otto Snoek, Annelies Štrba, Guy Tillim, Wolfgang Tillmans, Virgilio Viéitez, Miwa Yanagi, Tobias Zielony. „Der Titel der Ausstellung geht auf ein Zitat des Franzosen Arthur Rimbaud zurück, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Anfang der Moderne einläutete. ‚Ich ist ein anderer’, sagte der junge Dichter und stellte damit das Subjekthafte in Frage. Kurz danach kam Sigmund Freud und legte das Ich auf die Couch, um es zu analysieren. Um das Problemhafte zu untersuchen und doch nie ans Ende zu kommen“, erläutert Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ Bank Kunstsammlung.

Otto Snoek,
Otto Snoek, Rotterdam, Museumnacht, Museum Boymans-van Beuningen, 1999

Präsentation von Neuankäufen
Erstmals in einer Ausstellung der DZ Bank Kunstsammlung gezeigt werden neu erworbene Werke u. a. von Julian Germain, Helga Paris, Timm Rautert und Daniel Schumann. Die Balance zwischen ersehnter Normalität und Angst vor dem Tod beschäftigt den 1981 in Duisburg geborenen Daniel Schumann. In seiner 2009 begonnenen Serie „Prinzessinnen und Fußballhelden“ portraitiert der Fotokünstler Familien mit einem lebensbedrohlich erkrankten Kind. Der Engländer Julian Germain (Jg. 1962) fotografiert seit 2004 Schulklassen in ganz Europa, Lateinamerika, den USA, Afrika und Asien. Zu den bedeutenden Portraitfotografinnen der ehemaligen DDR zählt Helga Paris, 1938 in Gollnow/Pommern geboren und seit 1956 in Berlin zu Hause. Mit sozialkritischem Kamerablick hebt die Künstlerin Einzelne aus der Menge heraus. Ihre in der Ausstellung präsenten Schwarzweiß-Aufnahmen von Jugendlichen stammen aus den 1990er Jahren.

Tobias Zielony
Tobias Zielony, Dawn, 2008. Aus der Serie: Zielona Gora

Tobias Zielony (Jg. 1973) war ein Schüler von Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. In aller Welt zieht es den Berliner Künstler in die Vorstädte der Metropolen, um in Bilderzyklen das Straßenleben pubertierender Jugendlicher festzuhalten. Timm Rautert (Jg. 1941), gilt als ein Meister der Serie. In großen Unternehmen der Autoindustrie dokumentierte der in Essen lebende Fotograf die Veränderungen von Produktionsstätten und Arbeitsbedingungen seit den 1960er Jahren.

Helga Paris
Helga Paris, Hellersdorf, 1998. Aus der Serie: Hellersdorf

Arbeitsplätze an der Börse interessieren Andreas Gursky (Jg. 1955) und Larry Fink (Jg. 1941). Während der deutsche Künstler Gursky 1997 die Menschenansammlung auf dem Börsenparkett in Singapur aus distanzierter Position aufnahm, zeigen die zwischen 1984 und 1994 entstandenen Schwarzweiß-Bilder des Amerikaners Fink die Börsenmakler an der Wall Street in New York aus der Nähe. Gemeinsam mit Mitarbeitern der DZ Bank erarbeitete das New Yorker Künstlerduo Clegg & Guttmann in der Frankfurter Zentrale der Bank die Serie „Museum for the Workplace“. Die Mitarbeiter stellten persönliche Gegenstände zur Verfügung, die von den Künstlern zu Gruppenportraits von Dingen arrangiert und abgelichtet wurden. Das Kunstwerk aus dem Jahr 1995 ist erstmals öffentlich zu sehen.

 Andreas Gursky, Singapur Börse II, 1997
Andreas Gursky, Singapur Börse II, 1997

DZ Bank Kunstsammlung
Im Art Foyer der DZ Bank veranstaltet die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Die Bank verfügt über eine weltweit anerkannte Kunstsammlung zeitgenössischer Fotografie und visueller Medien mit mehr als 6500 Werken von über 700 Künstlern.

DZ Bank Kunstsammlung – Art Foyer | Platz der Republik | 60325 Frankfurt/Main
Ausstellungsdauer: 16. August bis 27. Oktober 2012
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11 bis 19 Uhr
 

 

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