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Ein Foto des Australiers Peter Lik ist jetzt für satte 6,5 Millionen US-Dollar verkauft worden. Damit löst das Bild „Phantom“, einem Schwarzweiß-Derivat eines motivmäßig gleichen Farbbilds aus dem Antelope Canyon, das Werk „Rhein II“ von Andreas Gursky als „teuerstes Foto der Welt“ ab – es wurde seinerzeit für 4,2 Millionen US-Dollar versteigert. Da aber über Käufer des Lik-Bildes und weitere Details ziemlich herumgeheimnist wird, fragen sich viele Experten, ob der Verkauf nur deshalb in so astronomischen Höhen vollzogen wurde, um den Marktwert von Peter Lik weiter zu steigern. Als ob der das nötig hätte: Mit mehreren Bilder in der „Multi-Millionen-Dollar“-Liga, zahlreichen Galerien, unzähligen Bildern, die er bereits als Wandschmuck für ihre Villen an Prominente verkauft hat, zählt Lik eh zu den Besserverdienern in der Fotografen-Zunft. Ok, bleiben wir bei der Sache: Peter Liks Bilder im Allgemeinen und das teure „Phantom“ im Besonderen sind gute Fotos mit einer gehörigen Portion „Verkitschung“: sehr poster- oder bildschirmhintergrundgeeignet. Gursky, Salgado und andere teure Künstler dagegen haben mit den Mitteln der Fotografie eine eigene Bildsprache entwickelt – und damit Kunstwerke geschaffen. Das ist und bleibt ein gewaltiger Unterschied.

Aber man kann von Peter Lik eine Menge lernen. Nein, nicht über Fotografie, aber darüber, wie man sich als Fotograf optimal vermarktet:

  1. Fotos machen, die einen ästhetisierenden, dekorativen Geschmack bedienen
  2. Nähe zu VIPs suchen und deren Wohnungen mit Fotos schmücken, wo sie von anderen Promis gesehen werden, die das dann auch wollen und so weiter
  3. Sponsoren finden und eigene Galerien gründen, um die eigenen Arbeiten in einen Kunst-Kontext zu setzen
  4. Die Verkäufe der eigenen Bilder in astronomische Höhen treiben, um die bereits gekauften Bilder ebenfalls im Preis steigen zu lassen und weiteren Investoren zu demonstrieren, dass das Geld in Lik Fotografien gut angelegt ist
  5. Den Nimbus des „teuersten Fotos der Welt“ nutzen, um über alle Medien gepusht tatsächlich ganz oben auf die Nachrichtenseite zu gelangen

Wie es weitergeht? Schauen Sie jetzt mal auf die Nachrichtenseiten. Steht da was von Peter Lik?

Aus der Flut der Studien, die nur zum Zweck der zukünftigen Geschäftsanbahnung durchgeführt werden, haben wir ein seltsames Beispiel von video2brain, einem Anbieter von Foto-Weiterbildungstools, herausgefischt.

Zwei Drittel aller Befragten der Studie sagen, dass sie mobile Endgeräte zum Fotografieren nutzen, aber mit der Qualität der Bilder nicht zufrieden sind. Schön wärs – für die Kameraverkäufe.

Die gleiche Studie sagt: Naomi Campell hat kürzlich in einem Interview mit einer britischen Tageszeitung zugegeben, dass sie trotz ihrer jahrelangen Zusammenarbeit mit Fotografen selbst nicht professionell fotografieren kann. Wie bitte? Selbst nach jahrelangem Zugucken ist sie noch kein Foto-Profi? Na dann, liebe Studien-Macher, lasst doch mal den Fotografen über den Laufsteg tippeln, mal sehen was er da für eine Figur macht, obwohl er schon viele Jahre den Models zuschaut.

Und noch etwas haben die Umfragen herausgefunden: Während viele Promis wie Heidi Klum oft Selfies machen, gaben nur 23 Prozent der Befragten Deutschen an, selbst auch welche zu machen. Tatsächlich entscheidet sich ein Drittel (33 Prozent) der Befragten bewusst gegen Selfies oder Gruppenbilder, weil sie diese nicht als qualitativ hochwertig bezeichnen würden. Das lässt tief blicken: Sind wir Deutsche in der Mehrheit (nein, nicht Du Heidi) so hässlich, dass wir uns selbst nicht sehen wollen? Und was heißt „entscheidet sich bewusst gegen Gruppenbilder“? Gruppenbild-Fetischisten würden uns mehr Angst machen, denn diese Form der Abbildung mehrerer Menschen auf einem Bild hat so viel Sex-Appeal wie ein Zahnarztbesuch.

Wir meinen: Gerade ist irgendwo in China ein Sack Reis umgefallen.

Eine der wichtigsten Neuigkeiten des abgelaufenen Jahrs wurde erst in den letzten Dezembertagen bekannt: Der Softwaregigant Adobe hat eine Vereinbarung zum Kauf des Unternehmens Fotolia getroffen. Adobe wird Fotolia in die Adobe Creative Cloud integrieren. So können bestehende und zukünftige Mitglieder der Cloud auf 34 Millionen Bilder und Videos zugreifen und sie direkt kaufen. Dies ist der nächste Schritt einer vor Jahren begonnenen Strategie, eine Cloud als omnipotenten Marktplatz für gebündelte kreative Software und Services zu nutzen – nachdem Adobe „früher“ ihre Software einzeln und auf CD über Händler oder E-Commerce vertrieben hatte. Der Wert des Wandels zeigt sich mehrfach: Wer als User bei seiner kreativen Arbeit ein Programm oder einen Service von Adobe braucht, kann sie über die Cloud ohne Zeitverlust buchen bzw. in Anspruch nehmen. Und das Angebot der Cloud beschränkt sich nicht auf ein Programm, sondern auf alle Angebote – die untereinander kompatibel sind. Wer also in seinem kreativen Prozess in Zukunft Stockbilder braucht, der findet in Zukunft das Komplettangebot des Marktführers Fotolia einen Mausklick weiter in der gleichen „Wolke“.

Wir meinen: Geschickter Schachzug – aber warum hat keiner aus der etablierten Fotobranche zugegriffen?

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