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Die Corona-Krise bedeutet für viele selbständige Fotografen enorme Umsatzeinbußen, die mitunter existenzbedrohlich werden können.

Anstehende Jobs werden abgesagt, Produktionen erst gar nicht geplant und Anfragen bleiben aus – doch die Fixkosten fürs Fotobusiness und den eigenen Lebensunterhalt bleiben bestehen. BFF-Justiziarin Dorothe Lanc informiert zur Corona-Krise und wie Sie für eine 
vorübergehende finanzielle Entlastung  sorgen können.

Corona-Krise: Wie können Fotografen für finanzielle Entlasung sorgen?
Corona-Krise: Wie können Fotografen für finanzielle Entlastung sorgen? Foto: Pexels

Künstlersozialkasse

Beiträge senken

Wer als Fotograf in der Künstlersozialkasse versichert ist, zahlt monatliche Beiträge, die sich am für das jeweilige Jahr geschätzten Jahresarbeitseinkommen orientieren. Die Schätzung für das Jahr 2020 hatten Fotografen spätestens im Dezember 2019 abzugeben. Zeichnet sich nun aufgrund der Corona-Krise ab, dass die Schätzung zu hoch angesetzt war und ein deutlich geringeres Jahresarbeitseinkommen erwartet wird, können Fotografen dies der KSK anzeigen und um eine Beitragsanpassung bitten. Zu beachten ist, dass die Beitragsanpassung nur für die Zukunft, nicht aber für die Vergangenheit gilt. Sie kann auch im laufenden Jahr wiederholt werden, wenn das Jahreseinkommen noch niedriger ausfällt. Die Künstlersozialkasse informiert hierüber auf ihrer Internetseite.

Vorauszahlungen senken

Fotografen und andere Unternehmen, die regelmäßig selbständige Künstler und Publizisten beauftragen, müssen auf das an sie gezahlte Honorar Künstlersozialabgabe zahlen. Hat die Künstlersozialkasse die Abgabepflicht dem Grunde nach festgestellt, müssen abgabepflichtige Verwerter für das laufende Jahr monatliche Vorauszahlungen leisten, die zum 31.03. des Folgejahres final abgerechnet werden. Die Höhe der Vorauszahlungen orientiert sich an den jeweiligen Zahlungen des Vorjahres. Zeichnet sich auch hier ab, dass aufgrund ausbleibender Fotoproduktionen, seltener Stylisten, Visagisten und andere Künstler beauftragt werden, können Fotografen und andere zur Abgabe verpflichtete Verwerter gem. § 27 Abs. 5 KSVG beantragen, die Vorauszahlungen herabzusetzen, wenn sie glaubhaftmachen, dass die voraussichtliche Bemessungsgrundlage im laufenden Jahr erheblich unterschritten wird.

Steuervorauszahlungen reduzieren

Das Bundesfinanzministerium (BMF) beabsichtigt in Abstimmung mit den Ländern umfassende Liquiditätshilfen zu beschließen. Danach sollen Steuervorauszahlungen schnell und unkompliziert herabgesetzt werden, wenn sich abzeichnet, dass sich die Einkünfte des Steuerpflichtigen im laufenden Jahr reduzieren werden.

Desweiteren sollen Steuerstundungen, d.h. das Hinausschieben des Zahlungszeitpunkts, ohne strenge Prüfung gewährt und auf Vollstreckungsmaßnahmen bis zum Ende des Jahres 2020 verzichtet werden. Auch Säumniszuschläge sollen wohl erlassen werden. Manche Länder (z.B. Bayern) stellen bereits jetzt schon Formulare zur Beantragung der Steuererleichterungen zur Verfügung.

Freiwillige Arbeitslosenversicherung für Existenzgründer beanspruchen

Wer sich in der Vergangenheit als Existenzgründer freiwillig gegen Arbeitslosigkeit in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung versichert hat und nunmehr eine längere Auftragsflaute erleidet, kann die Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Hierzu muss er sich erwerbslos melden. Als erwerbslos gilt, wer weniger als 15 Stunden wöchentlich in seinem Unternehmen arbeitet. Bei schlechter Auftragslage muss der Selbstständige sein Unternehmen auch nicht sofort aufgeben. Er darf weiterhin neben dem Arbeitslosengeld bis zu 165 € monatlich Gewinn erwirtschaften. Gewinne, die diese Grenze überschreiten, werden angerechnet und vom Arbeitslosengeld abgezogen.

Wer allerdings Arbeitslosengeld bezieht, muss jedoch umgekehrt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und alle Möglichkeiten nutzen, um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Dies bedeutet, der Selbstständige muss sich bewerben und jede zumutbare Beschäftigung annehmen, in die die Arbeitsagentur ihm vermittelt.
Freiwillig versicherte Selbstständige, die ihre Versicherung bereits zwei Mal unterbrochen und während dieser Unterbrechung Arbeitslosenentgelt bezogen haben, können keinen neuen Antrag auf Zahlung von Arbeitslosenentgelt stellen.

Wie lange das Arbeitslosengeld gewährt wird, hängt davon ab, wie lange der Selbstständige in den letzten zwei Jahren vor seiner Arbeitslosigkeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Wer mindestens 12 Monate eingezahlt hat, kann sechs Monate Arbeitslosengeld beziehen. Wer mindestens 24 Monate nachweisen kann, bekommt 12 Monate Unterstützung. Ab dem 50. Jahr können, gestaffelt nach Alter und Dauer des Versicherungsverhältnisses, 15, 18 oder 24 Monate Arbeitslosengeld bezogen werden.

Die Höhe des Arbeitslosengeldes bemisst sich an einem fiktiven Arbeitseinkommen und der Ausbildung des Betroffenen. Hochschul- und Fachhochschulabsolventen können bis zu ca. 1.400 € Arbeitslosengeld erhalten. Personen mit geringeren Qualifikationen oder ganz ohne Ausbildung erhalten deutlich weniger Arbeitslosenentgelt. Familienstand und Anzahl der Kinder können sich aber wiederum leistungserhöhend auswirken.Ein Selbstständiger, der vor seiner Selbstständigkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und bereits Arbeitslosengeld bezogen hat, kann seinen Restanspruch auf Arbeitslosengeld geltend machen, wenn die erste Inanspruchnahme weniger als vier Jahre zurückliegt. Dieser Restanspruch und der neu erworbene Anspruch durch die freiwillige Weiterversicherung werden zu einem dem Alter entsprechenden Gesamthöchstanspruch zusammengerechnet.

Grundsicherung für Selbständige

Wenn es ganz hart auf hart kommt und die wenigen Umsätze nicht mehr zum Leben ausreichen, können selbständige Fotografen Grundsicherung für Selbständige (ALG II) beanspruchen.
Da die Grundsicherung dazu dient, den wirtschaftlichen Engpass zu überbrücken, dürfen und sollen sie währenddessen weiter arbeiten, um wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Außerdem haben sie ggf. auch Anspruch auf Wohngeld und die Berücksichtigung einer Bedarfsgemeinschaft.
Der Antrag ist beim Jobcenter des jeweiligen Wohnorts zu stellen und gilt ebenfalls für Angehörige, die mit dem Selbständigen in einer Bedarfsgemeinschaft leben, also z.B. Ehefrau und Kinder.

Kredite und Soforthilfe-Programme

Schließlichlich arbeiten Bund, Länder und Kommunen derzeit mit Hochdruck an Soforthilfe-Programmen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft führt auf seiner Internetseite eine Förderdatenbank, in der unter dem Stichwort „Corona-Hilfe“ derzeit ca. 120 Förderprogramme angeboten werden.
Für Unternehmen und Selbständige mit Sitz in Bayern hat das Bayrische Staatsministerium für Wirtschaft ein Soforthilfeprogramm eingerichtet.

Auch Städte und Kommunen (z.B. Düsseldorf) stellen Fördermittel für Unternehmen, Selbständige, Vereine und andere Organisationen zur Verfügung. Die örtlichen Wirtschaftsförderungen unterrichten hier.
Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat am 17.03.2020 Hilfen für die Kultur- und Kreativwirtschaft angekündigt.

Was kann man sonst noch tun?

Unbezahlte Rechnungen verfolgen

Sind Rechnungen noch unbezahlt, sollten Fotografen dafür sorgen, dass diese schnellst möglich vom Kunden bezahlt werden. Ist eine Rechnung fällig, aber noch nicht bezahlt, kann sie angemahnt und notfalls auch eingeklagt werden. Damit sollte man auch nicht zu lagen warten - Großzügigkeit ist fehl am Platz, wenn eine einwandfreie Leistung erbracht wurde und die Fotos womöglich bereits genutzt werden.
Wer dennoch kulant mit seinen Kunden umgehen möchte und eine Zahlungsklage scheut, kann auch eine Ratenzahlungsvereinbarung mit dem Kunden treffen.

Kurze Zahlungsziele bei bevorstehenden Jobs vereinbaren

Bei bevorstehenden Jobs sollten kurze Zahlungsziele von maximal 14 Tagen vereinbart werden. Bei großen, umfangreichen Jobs sollten Nebenkosten vom Kunden ohnehin immer im Voraus gezahlt werden und auch Abschlagszahlungen auf das Fotografenhonorar kann man vereinbaren. Auf Skonti und Rabatte sollte man hingegen verzichten.

Archivmaterial aktivieren

Fotos werden auch zukünftig gebraucht und mancher Kunde greift womöglich gerade in den gegenwärtigen Zeiten lieber auf bestehendes Fotomaterial zurück, entweder aus Kostengründen – weil er sich gerade eine teure Fotoproduktion nicht leisten kann oder, weil sie aufgrund der gegenwärtigen Beschränkungen des Wirtschaftslebens nicht möglich ist.
Hier macht es daher möglicherweise Sinn, bestehendes Archivmaterial zu aktivieren. Fotografen können Fotos, an denen die urheberrechtlichen Nutzungsrechte bei ihnen liegen, entweder in seriöse Bildagenturen geben, die für die Lizenzierung der Fotos noch anständige Preise verlangen oder über ihre Internetseite eine eigene Bilddatenbank - kopiergeschützt hinter einer Zugangssperre oder mit Wasserzeichen versehen – einrichten, um über sie Lizenzierungen anzupreisen.

Lizenzen prüfen

Wer aufgrund ausbleibender Fotojobs nunmehr zwangsweise am Schreibtisch sitzt kann auch bestehende Lizenzierungen seiner Fotos checken und prüfen, ob der Kunde die vereinbarten Nutzungen einhält.

Überschreitet der Kunde die ihm an den Fotos eingeräumten Nutzungsrechte, etwa weil er sie zusätzlich in anderen Medien oder Ländern oder länger als vereinbart nutzt, ist dies zwar eine Urheberrechtsverletzung. Bevor man diese aber verfolgt, kann man ihm auch eine freundliche nachträgliche Lizenzierung dieser Nutzung anbieten.

Liquidität erhöhen

Schließlich können selbständige Fotografen auch ihre Liquidität erhöhen, etwa indem sie Zahlungen auf eine bestehende Lebensversicherung vorübergehend aussetzen. Wer privat versichert ist und sich über jährlich steigende Versicherungsbeiträge ärgert hat auch die Möglichkeit der Tarifoptimierung. Gemäß § 204 VVG hat jeder Versicherte das Recht, innerhalb der eigenen Versicherungsgesellschaft in einen anderen, günstigeren Tarif zu wechseln und bei mitunter fast gleichen Leistungen deutlich zu sparen.

Die Imagingbranche zu Corona-Zeiten – eine Krise solchen Ausmaßes kannten wir bisher nicht.

Wir fassen kurz zusammen: Die Hersteller verschieben die Einführung neuer, bereits angekündigter Produkte. Vor allem deshalb, weil die Zulieferketten gerissen sind. Der stationäre Handel hat geschlossen, Amazon aber nicht. Das ist besonders brisant, da die Kosten des Fachhandels praktisch in vollem Umfang weiterlaufen. Kurzarbeit und KfW-Kredite sind da eher theoretische Trostpflaster als konkrete Problemlöser.

Das Coronavirus trifft auch die Imagingbranche hart. Foto: Pixabay
Das Coronavirus trifft auch die Imagingbranche hart. Foto: Pixabay

Wenn der Blick nach vorne trübe ist, bemüht man sich lieber um die Früchte von gestern.

Das tut beispielsweise die United Imaging Group: Der Umsatz der UIG betrug im Jahr 2019 379,5 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Umsatzplus von 82 Millionen Euro beziehungsweise 27,6 %, so die Kooperation. „Damit war 2019 nunmehr das sechste Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus in Folge und das umsatzstärkste Geschäftsjahr seit Gründung der Kooperation,“ steht in der Pressemitteilung. Das irritiert dann doch – sechstes Jahr in Folge? Gibt es die UIG nicht erst seit knapp einem Jahr?

Selbständige Fotografinnen und Fotografen könnten und dürften zwar arbeiten, es gibt aber so gut wie keine Aufträge. Hochzeiten? Abgeblasen und verboten. Kinder- und Schulfotografie, Paßbilder? Dito. Fashion- und Werbeproduktionen? Kein Denken dran, Reisen ist „Mission impossible“. Die Konsequenz: Wer keine Rücklagen hat, sollte sich um einen Lagerjob in einer Lebensmittelkette kümmern. Und beispielsweise beim BFF nachlesen, was geht und was nicht.

Nachdem alle Messen rund um den Globus ihre Veranstaltungen abgesagt oder verschoben haben, fallen aktuell horizonte Zingst und auch die photokina im Mai aus. Letzteres haben alle, mit denen wir über das Thema gesprochen haben, auch so erwartet. Allerdings viel früher. Als neuer Termin wird Mai 2022 genannt. Und auch wenn wir bis dahin keine Leitmesse mehr haben sollten – die Branche wird nicht ohne Richtung und Führung sein. Aber eben anders als vorher.

Spannend und spekulativ zugleich ist der Ausblick auf die Post-Corona-Zeit.

Experten gehen davon aus, dass wir mindestens im April und Mai noch mit erheblichen Einschränkungen rechnen müssen. Für „danach“ heißt das:

  • Die Hersteller werden relativ schnell zur Normalität zurückkehren, sobald die Produktions- und Lieferketten wieder vollumfänglich geschlossen sind. Und das geht erfahrungsgemäß sehr schnell, da China als zentrale Schlüssel-Nation ein hochgradiges Interesse an weiterem dynamischem Wachstum hat.

  • Der stationäre Fotofachhandel wird durch die Krise erheblich ausgedünnt. Experten schätzen, dass mindestens 20 Prozent der Händler eine mehrmonatige Schließung wirtschaftlich nicht überleben werden.

  • Für die Dienstleistungen der Fotografinnen und Fotografen sieht es da deutlich freundlicher aus: Nach dem Motto „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ werden die meisten Produktionen, Hochzeiten und Events zeitnah nachgeholt.

  • Und die Messen und Veranstaltungen? Es wird einen Schnitt geben. Hin zu neuen Formaten, Konzepten, Experience-Events.

Nach Corona wird auch die Imagingwelt eine andere sein als vorher.  Doch das muß nicht in jedem Punkt ein Nachteil sein.

Nach intensiver Beratung hat sich die Koelnmesse GmbH entschlossen, die ursprünglich vom 27. bis 30. Mai 2020 geplante photokina 2020 abzusagen.

Die internationale Leitmesse für Foto, Video und Imaging findet das nächste Mal vom 18. bis 21. Mai 2022 statt. Auch die Imaging Innovation Conference feiert nicht wie geplant 2020 Premiere, ein neuer Termin ist in Abstimmung. Generell hat die Geschäftsführung der Koelnmesse entschieden, bis Ende Juni 2020 keine Eigenveranstaltungen in Köln durchzuführen. Diese Entscheidung wird auch vom Krisenstab der Stadt Köln unterstützt, der in seiner Sitzung am 18. März 2020 ebenfalls empfohlen hat, die Messen in diesem Zeitraum abzusagen. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund der Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Länderregierungen vom 16. März 2020 zu gemeinsamen Leitlinien im Umgang mit der Corona-Epidemie. Sie beinhaltet explizit auch die generelle Schließung von Messen und Ausstellungen. Dies beeinträchtigt die Planungssicherheit für die Koelnmesse und die Teilnehmer der Messen in Köln weit über die bisherige Reichweite der aktuellen Szenarien hinaus.


Die nächste photokina wird im Jahr 2020 stattfinden. Foto: Koelnmesse

Nächste Photokina im Jahr 2022

Mit dieser frühzeitigen Ankündigung zur photokina möchte die Koelnmesse Ausstellern und Besuchern Planungssicherheit geben. Die Entscheidung, die nächste photokina erst im Mai 2022 zu veranstalten, wurde mit Blick auf verschiedene Faktoren getroffen: Der Imaging-Markt war auch schon vor dem Auftreten des Coronavirus stark in Bewegung. Diese Entwicklung wird nun weiter an Dynamik gewinnen und muss in die Planungen für die kommende photokina einbezogen werden. Dazu kommt, dass durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung sowie zahlreiche Neuterminierungen im globalen Messekalender die Ressourcen unserer Kunden 2021 bereits stark strapaziert werden. Die Ausrichtung 2022 gibt allen Beteiligten genügend Zeit, die nächste photokina nach den Bedürfnissen des Marktes, sowie Ausstellern und Besuchern zu gestalten.

Kai Hillebrandt, Vorsitzender des Photoindustrie-Verbandes e.V. (PIV): „Der PIV steht selbstverständlich voll und ganz hinter der Entscheidung der Koelnmesse, die photokina 2020 abzusagen. Die Gesundheit von Ausstellern und Besuchern muss jetzt an oberster Stelle stehen. Als ideeller Träger der photokina werden wir die Koelnmesse nach Kräften bei den Planungen für die nächste Ausgabe der photokina unterstützen.“

TIPA

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