Wie sieht der Foto- und Imagingmarkt der Zukunft aus? Welche sind die Erfolgsfaktoren dieses neuen Marktes? Wie können die Hersteller und Dienstleister diesen Markt aktiv gestalten? Der Photoindustrie-Verband e.V. mit Sitz in Frankfurt hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Denkanstöße und Aktivitäten hinsichtlich der Zukunft des Foto- und Imagingmarktes initiiert. Die ersten Ergebnisse der „Agenda Zukunft“ zeigen: Der Markt befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel - und bietet dadurch enorme Potenziale.
Die Anzahl der weltweit aufgenommenen Fotos wächst extrem stark an - das Wachstum der aufnahmefähigen Fotoprodukte dagegen ist eher auf einem zwar relativ hohen, aber stabilen Niveau. Kommunikation mit Fotos ersetzt häufig den Informationsaustausch mit Worten - entsprechende Geschäftsmodelle wie Instagram, WhatsApp oder YouTube entstanden jedoch außerhalb der traditionellen Fotoindustrie. Dies sind nur zwei der aktuellen Phänomene, die den Foto- und Imagingmarkt in Zukunft bewegen und verändern. Welche Rolle werden die bekannten Fotohersteller, -marken und Serviceanbieter in den nächsten Jahren in ihrem eigenen Markt spielen? Welche Meta-Trends berühren und bewegen die Foto- und Imagingbranche? Wie findet die Kommunikation mit den Zielgruppen der Zukunft statt? Und wie lassen sich aus den sich verändernden Bedingungen tragfähige, funktionierende und erfolgreiche Geschäftsmodelle ableiten? Diesen und vielen weiteren Fragen zum aktuellen und zukünftigen Branchengeschehen geht der Photoindustrie-Verband seit etwa einem Jahr mit Hochdruck nach.
Begonnen hat der Dialog im Mai 2014 auf der Jahrestagung des Photoindustrie-Verbandes in Hamburg mit einem Vortrag des Marktforschungsunternehmens YouGov zum Thema „Generation Y“. Die Vortragenden gaben spezifizierte Antworten unter anderem auf folgende Fragen: Wie „tickt“ die Zielgruppe der zwischen den Jahren 1990 und 2000 Geborenen? Wie wirkt sich ihr soziales und mediales Verhalten auf Marken, Werte und Technologien aus?
„Eine konkrete Schlussfolgerung dieser Veranstaltung,“ so Christian Müller- Rieker, Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbandes, „war es, dass die Unternehmen über ein verändertes Kommunikationsverhalten nachgedacht und es in der Folge - beispielsweise auch auf der photokina 2014 - umgesetzt haben.“
Im Rahmen der photokina im September 2014 skizzierte Sven Gabor Janszky, einer der innovativsten Trendforscher, den versammelten CEOs aller relevanten Foto- und Imagingunternehmen ein Szenario des Marktes in etwa zehn Jahren: „A journey into the year 2025 and the future of imaging“. Der Tenor der viel beachteten Analyse: Das bisherige Geschäftsmodell grundsätzlich in Frage stellen, in Echtzeit den aktuellen Erfordernissen anpassen und generell brancheninternes Denken und Handeln zugunsten von Kooperationen aufgeben. So spielt die Foto- und Imagingbranche mit der Technologie opto-elektronischer Systeme beim Mega-Trend der Entwicklung selbstfahrender Autos eine zentrale Rolle - jenseits ihres bisherigen Kernmarktes. „Die Foto- und Imagingbranche beinhaltet mit ihrem kameratechnischen und bildanalytischen Know-how ein enormes Potenzial für neue Geschäftsmodelle in zahlreichen anderen Märkten“, so Christian Müller-Rieker, Geschäftsführer des Photoindustrie- Verbandes. „Eine der größten Herausforderungen in der Zukunft liegt dabei nicht nur in der ständigen Weiterentwicklung dieser Technologien, sondern ein enorm großes Innovationspotenzial liegt im Erkennen und Umsetzen neuer Einsatzgebiete der Technik in anderen Bereichen - also der Entwicklung ganz neuer Geschäftsmodelle.“
Was aber sind die konkreten Bedürfnisse der Generationen Y und Z an digitale Aufnahmegeräte der Zukunft? Wie ist das Fotografier-Verhalten dieser Ziel- gruppen? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert eine aktuelle Studie, die der Photoindustrie-Verband als Projekt der angewandten Marktforschung an der FH Köln in Auftrag gegeben hat. Eines der Mega-Trends als Ergebnis der Studie lautet: Die Popularität in der Fotografie nimmt weiter stark zu. Das bedeutet: Fotografien liefern auf der einen Seite Erinnerungsstücke, auf der anderen Seite sind sie nur kurzfristige Momentaufnahmen für einen schnellen Kommunikationsprozess. Kameras werden dementsprechend eher für bewusste, langfristig angelegte Bilder beispielsweise bei speziellen Anlässen, im Urlaub, für Landschaftsaufnahmen oder für Porträts genutzt, wohingegen das Smartphone für Schnappschüsse wie zum Beispiel Selfies eingesetzt wird. Bezüglich der Ausstattungsmerkmale von Kameras zeigt die Studie, dass die Fotoindustrie ihre Hausaufgaben gut und vollständig gemacht hat: Wunsch-Features wie WLAN-Fähigkeit, Selfie-Bildschirm, perfekte Bildqualität in Stillbild und Video, Wechselobjektive, Wasser- und Staubfestigkeit, Kompaktheit und hohe Speicherkapazität - das und vieles mehr sind alles Ausstattungsmerkmale, die bei aktuellen Kameramodellen zum Leistungsumfang gehören. „Die neuesten Ka- meragenerationen von edlen Kompaktmodellen bis hin zu Highend-DSLR-Mo- dellen haben einen hohen Perfektionsgrad erreicht, der eigentlich kaum noch Wünsche offen lässt,“ beschreibt Christian Müller-Rieker, Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbandes die Situation des Marktes. „Dennoch wissen wir, dass weiteres Wachstum elementar an den Innovationsgrad der Kameras gekoppelt ist: Je überzeugender und relevanter die Innovationen, desto größer ist das Wachstum des Marktes.“
Der Prozess der aktiven Gestaltung des Foto- und Imagingmarktes durch den Photoindustrie-Verband geht kontinuierlich weiter. Auf der kommenden Mitgliederversammlung des Verbandes im Mai 2015 wird das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) Zürich, Think Tank, das Thema „Die Zukunft der vernetzten Gesellschaft und neue Märkte in der Fotoindustrie“ präsentieren. Denn: Größe und Allgegenwart des Internets führen zu Machtverschiebungen und zunehmenden Konflikten auch bei Konzernen und Nutzern. Wie verändern diese Entwicklungen die digitale Welt von übermorgen? Was heißt das für die Kommunikation - auch und gerade mit Bildern? Und welche neuen Marktpotenziale ergeben sich aus diesen sich ständig verändernden Bedingungen?
 „Mit einer veränderten Situation des Foto- und Imagingmarktes verändern sich auch das Selbstverständnis und die Aufgaben des Photoindustrie-Verbandes. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Eruierung und Bereitstellung von Informationen als Basis für die Entwicklung neuer Ideen, für das Entdecken von Chancen und für das Generieren nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolgs der Unternehmen. Die über 175-jährige Geschichte des Mediums Fotografie zeigt diesbezüglich eine Konstante, an deren Wirksamkeit wir auch für die Zukunft glauben: Die Branche war immer dann besonders erfolgreich, wenn sie bei Produkten und Dienstleistungen die Emotionalität als Kern-DNA der Fotografie in den Vordergrund gestellt hat,“ fasst, Christoph Thomas, Vorsitzender des Photoindustrie-Verbandes die „Agenda Zukunft“ des Photoindustrie-Verbandes zusammen.


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